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Nordkorea und die Interessen seiner Nachbarn

17. März 2013 - Internationales

Der Machthaber Nordkoreas (Kim Jong-un) provoziert die Weltgemeinschaft mit nahezu unglaublichen Manövern. Die Aufkündigung des seit 1953 geltenden Waffenstillstandsabkommen zwischen den geteilten Landeshälften oder gar die Androhung eines präventiven Atomschlages sind die aktuellen Höhepunkte einer schon unter dem Vater Jong-un´s durchgeführten Wanderung am schmalen Grat des Abgrundes.

Dass Nordkorea über ein begrenztes Kontingent an Atomwaffen verfügt, wird inzwischen als bestätigt angesehen. Die Fähigkeit, damit wirkungsvolle Trägerraketen zu bestücken und beispielsweise amerikanische Städte anzugreifen, kann dagegen angezweifelt werden.

Bisher wurden die Provokationen von Nordkorea vor allem zur Verbesserung der Verhandlungsbasis - beispielsweise bei der Lockerung von Sanktionen - genutzt. Auch innenpolitische Prozesse werden eine nicht zu verachtende Rolle spielen.

Doch mit den letzten Aktionen hat Jong-un es sogar geschafft, die bisher schützende Hand Chinas zu vergrätzen und damit schärfere Sanktionen der vereinten Nationen zu ermöglichen.

Den Konflikt lediglich auf Korea an sich zu reduzieren würde zu kurz greifen. Im direkten Umfeld befinden sich mehrere Großmächte (Japan, China, Russland) bzw. deren Interessengebiete (v.a. USA), was schon mal einigen politischen Sprengstoff in sich birgt. Und natürlich hat jede Großmacht eigene Interessen.

China: Für China ist Nordkorea ein durchaus willkommener Puffer zum USA-nahen Südkorea. Ein Zusammenbruch des Regimes könnte einen schwer zu kontrollierenden Flüchtlingsstrom nach China auslösen und dort zu ungewollter Instabilität führen. Nachdem in Südkorea US-Truppen stationiert sind, würde die Vereinnahmung des Nordens durch den Süden für China vereinfacht gesprochen bedeuten, im Zweifelsfall mit amerikanischen Armeeeinheiten an der Grenze konfrontiert zu sein.

Japan: Die Beziehungen zwischen Japan und beiden Koreas sind alles andere als entspannt. Von 1910 bis 1945 war Korea eine japanische Kolonie, während dieser Zeit kam es zu mehreren Kriegsverbrechen von Seiten der Japaner. Eine wirkliche Aufarbeitung dieser Zeit findet lediglich oberflächlich statt. Besuche japanischer Politiker an umstrittenen Gedenksteinen (Yasukuni-Schrein), an denen auch die Namen von verurteilten Kriegsverbrechern stehen, kommen weder in China noch in Korea gut an. Insgesamt zeigt Japan Tendenzen, sich von den USA zu emanzipieren und außenpolitisch wie militärisch wieder eigene Wege zu gehen. Die von den USA verordnete Konsenspolitik mit Südkorea könnte dabei Schaden nehmen.
Südkoreanische Konzerne spielen am Hightechmarkt inzwischen ebenfalls eine starke Rolle und konkurrieren massiv mit japanischen Unternehmen. Ein erstarktes, vereinigtes Korea könnte sowohl was wirtschaftliche Aspekte, als auch was machtpolitische oder historische Interessen angeht für Japan nicht unbedingt erstrebenswert sein.

Russland: Die Bestrebungen Russlands ähneln sich denen Chinas. Die Gelegenheit den US-Interessen durch einen notorisch lästigen Stellvertreter zu brüskieren mag ebenfalls verlockend sein.

USA: Menschenrechtsüberlegungen spielen in der Beziehung zu Nordkorea offiziell zwar immer wieder eine Rolle, in Anbetracht der Kooperation mit anderen Regimen ist dieser Grund jedoch lediglich vorgeschoben. Die Verhinderung der Proliferation von Atomwaffen scheint zumindest etwas glaubwürdiger. Geostrategisch wäre ein Vorschieben der Grenze von verbündeten Staaten an den entstehenden Hauptkonkurrenten China durchaus im Interesse der USA und wäre ein weiterer Schritt zu einer Eindämmung chinesischer Expansionsbestrebungen.

Die beiden koreanischen Staaten haben in Relation zur ihrer Bevölkerung vergleichsweise große Militärapparate. Und diese müssen selbstverständlich mit Waffen versorgt werden, was für waffenexportierende Länder ein lukratives Geschäft ist. Der Status Quo mag also trotz eines unberechenbaren Despoten für viele Staaten erhaltenswert sein.

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