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Datendrosselung und Konsequenzen

05. Mai 2013 - Gesellschaft

Die Deutsche Telekom AG schafft es mit der Ankündigung, die Geschwindigkeit von Internetverbindungen ab einem bestimmten monatlichen Verbrauch zu drosseln, in den meisten Medien auf die vorderen Plätze. Nicht nur Netzaktivisten sehen die für Neukunden schon ab Mai 2013 geltenden Regelungen - laut Telekom erst mal nur vertraglich festgeschrieben, der faktische Drosselungsmechanismus soll erst 2016 greifen -  mit großen Bedenken.

Die Beweggründe der Telekom sind letztendlich wirtschaftlicher Natur und basieren auf zwei Faktoren.
Zum einen trägt sie einen großen Teil der Kosten des Netzausbaus, vor allem der Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes wird Milliarden Euro kosten. Als Finanzierung müssen die Anschlussgebühren herhalten. Während diese mehr oder minder konstant bleiben, muss die Telekom zusehen, wie große Inhaltsanbieter - z.B. Youtube – ihre Umsätze und Gewinne steigern können. Der Versuch einer Beteiligung an den Volumenkosten durch die Inhaltsanbieter ist bisher an deren Unwillen gescheitert.
Zum anderen ist die Telekom selber als Contentlieferant tätig und hat natürlich ein Interesse, eigene  Produkte bevorzugt zu behandeln.

Bei einer Geschwindigkeitsreduzierung auf gerade mal 384 kBit/s stellt sich die Frage, ob "Drosslung" überhaupt der richtige Terminus ist, da damit viele Internetangebote nicht mehr sinnvoll nutzbar sein werden. Die geplanten 75 GB Volumen bei einem klassischen DSL Anschluss mögen sich nach einer ganzen Menge Daten anhören, bei näherer Betrachtung sieht das aber schnell anders aus. Von banalen Updates von Betriebssystem und Software, über E-Mails, Webseiten, Bilder bis zu Videos, Cloudspeicherdiensten, Onlinespielen oder SAAS-Produkten - das zugestandene Volumen kann sehr schnell dahinschwinden, vor allem wenn der Anschluss von mehreren Personen - z.B. Familien - genutzt wird. Wenn man die Entwicklung des Internets in den letzten Jahren betrachtet, kann durchaus davon ausgegangen werden, dass das genutzte Volumen tendenziell weiter steigen wird. Ich gehe davon aus, dass Kunden mehr Volumen dazukaufen können, was dann im Vergleich zum aktuellen Stand eine massive Preiserhöhung bedeuten kann.

Äußerst bedenklich - wenn auch nicht in dem Maß wahrgenommen wie die eigentliche Drosselung - sind Pläne der Telekom, eigene Inhalte von der Geschwindigkeitsreduzierung auszunehmen bzw. bevorzugt zu behandeln. Denn um das technisch durchzusetzen, müssen die Inhalte der übertragenen Daten bekannt sein. Solange es keinen Standard - die Schweiz will dazu bald einen Vorschlag bei der ICANN einbringen - zur Identifikation bevorzugter Datenpakete via definiertem Header gibt, bleibt lediglich die sog. Deep Packet Inspection, d.h. ein Scan des kompletten Datenpaketes. Ein Verfahren, welches man eigentlich nur in Diktaturen kennt und reichlich Missbrauchspotenzial birgt. Die Frage, ob es überhaupt mit deutschem Recht vereinbar ist (vgl. Fernmeldegeheimnis), bleibt offen.

Die sogenannte Netzneutralität - d.h. die Gleichbehandlung von beliebigen Datenpaketen - ist beispielsweise in den Niederlanden gesetzlich und in Norwegen via Branchenvereinbarung festgeschrieben. Auch in der Schweiz gibt es Bestrebungen dazu.

Andere Telekommunikationsanbieter halten sich bisher mit der Verkündung eigener Pläne sehr zurück, es ist jedoch davon auszugehen, dass diese früher oder später ebenfalls nachziehen werden.

Quellen:

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