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Israels Rolle im syrischen Bürgerkrieg

12. Mai 2013 - Internationales

Vor wenigen Tagen bombardierte die israelische Luftwaffe Ziele in der syrischen Hauptstadt Damaskus und löste damit eher betretene Reaktionen aus. Kritik wurde u.a. von der Türkei, dem Assad-Regime sowie erstaunlicher Weise auch von der syrischen Opposition geäußert. Letztendlich ist  mit den Angriff massiv in die Souveränität Syriens eingegriffen worden.

Die zu erwarteten Äußerungen der syrischen Regierung sind symbolischer Natur, das sich das Regime keinen weiteren militärischen Konflikt leisten kann und sowieso schon um das nackte überleben kämpft. Selbst ohne den Bürgerkrieg wären die Chancen Syriens in einem militärischen Konflikt mit Israel eher gering.

Israel dagegen befindet sich strategisch in einer schwierigen Situation. An der langen Süd-West-Grenze wandelte sich Ägypten von einem berechenbaren und an friedlicher Koexistenz interessierten Regime zu einer noch unsteten Demokratie mit Hang zu einer neuer Autokratie islamistischer Prägung.

Die Ostgrenze zu Jordanien ist aktuell noch stabil, allerdings stellt sich die Frage, ob und wie lange König Abdullah II. sein Volk vor umstürzlerischen Tendenzen abhalten kann. Bedenklich, sowohl für das jordanische Königshaus, als auch für Israel, ist der inzwischen auf knapp 50% angewachsene palästinensische Bevölkerungsanteil. 1970/71 kam es bereits zu einem Bürgerkrieg zwischen palästinensischen und jordanischen Einheiten, welcher mit dem sog. Schwarzem September (der Vertreibung der PLO aus Jordanien) endetet.

Im Norden sieht sich Israel mit einer politisch und militärisch stetig erstarkenden Hisbollah konfrontiert. Diese wird sowohl von Syrien als auch maßgeblich vom Iran mit Rüstungsgütern versorgt. Selbst Drohnen gehören inzwischen zum Arsenal der Hisbollah. Der letzte Krieg Israels im Libanon 2006 zeigte bereits ein schwinden der bisher unangefochtenen Überlegenheit des israelischen Militärs und dessen Schwierigkeiten gegen gut organisierte und opferbereite Guerillas vorzugehen. Ein Problem, welches Militärs in allen westlichen Ländern beschäftigen wird.

Syrien war bisher für Israel ein Garant für eine gewisse Stabilität an der Nord-Ost Grenze und den taktisch bedeutenden Golanhöhen. Auch wenn zwischen den Staaten lediglich ein Waffenstillstand (Kein Friedensvertrag!) und, was die Interessen im Libanon angeht, durchaus Dissens besteht, wurde ein Modus Vivendi gefunden. Durch den Bürgerkrieg werden jedoch die Karten neu gemischt. Ob sich das syrische Regime auf lange Frist halten kann, ist fraglich. Das ist auch der mit Assad verbündeten Hisbollah klar, welche die noch vorhandene Route Iran-Syrien-Libanon nutzt, um sich mit Waffen einzudecken. Sollte sich die syrische Opposition durchsetzen, wäre dieser Weg abgeschnitten und die Hisbollah müsste eine Unterstützung sunnitischer Kräfte im Libanon sowie eine Vertreibung aus Syrien befürchten.

Israel könnte mit einem Fortbestehen der Assad-Herrschaft vermutlich besser leben, als mit einer unberechenbaren und voraussichtlich - ähnlich wie schon in Ägypten, Tunesien oder Libyen - dem Islamismus gewogenen Demokratie im Aufbau. Dennoch muss es verhindern, dass noch mehr modernere Waffensysteme in die Depots der Hisbollah gelangen und sieht sich daher im Zwiespalt, Verbündete eines eigentlich gewogenen Regimes angreifen zu müssen.

Eine Umzingelung von nicht nur verbal israelfeindlich einstellten Ländern ist mittelfristig nicht unwahrscheinlich und könnte die Region weiter destabilisieren.

Quellen:

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