Diese Webseite verwendet Cookies. Diese werden z.B. für statistische Zwecke verwendet. mehr Informationenschließen
Aufklappen
Zuklappen

Archiv

2014 (65)
2013 (151)

Mali - der vergessene Konflikt

01. Juni 2013 - Internationales

Konflikte in afrikanischen Ländern finden in westlichen Medien eher am Rande Beachtung. Ausnahmen bilden lediglich eine mögliche Gefahr für westliche Bürger, die Gefährdung von Rohstoffquellen oder eine Bedrohung internationaler Handelswege.

Beim Bürgerkrieg in Mali ist ähnliches zu beobachten, wobei hier die Politik des Westens durchaus mitverantwortlich an der Eskalation ist. Was inzwischen weitestgehend als Kampf gegen islamistische Terroristen aus dem al Qaida Umfeld wahrgenommen wird, hat seine Ursprünge im Sturz des libyschen Machthabers Gaddafi in Libyen.

Die auf der Seite Gaddafis kämpfenden Tuareg wurden aus Libyen vertrieben und sickerten ab Ende 2011 mit guter Bewaffnung zu ihren Verwandten nach Mali ein, die dort - ebenso wie im Nachbarland Niger - kaum eine Beteiligung an den jeweiligen Staatswesen erfahren.

Die Tuareg-Rebellen konnten schnell große Gebiete im Norden Malis unter Ihre Kontrolle bringen, woraufhin das Militär in Mali putschte, da es die Regierung für nicht fähig hielt, den Aufstand erfolgreich zu bekämpfen und damit die Integrität des Landes in Gefahr sah. Dem Tuareg-Aufstand schlossen sich im Laufe der Zeit islamistische Kräfte an, welche nach und nach Einfluss innerhalb der Aufstandsbewegung gewinnen konnten, dort die Macht an sich rissen und die Turaeg selbst wiederum aus eroberten Gebieten vertrieben.

Der Vormarsch der Rebellen auf die auch von westlichen - insbesondere Franzosen - Bürgern bewohnten Gebiete im Süden Malis, führte Anfang 2013 zu einem in erster Linie durch Frankreich sowie verbündeter afrikanischer Staaten (Niger, Tschad) getragenen - und von Deutschland logistisch unterstützen - Militäreinsatz unter UN-Mandat.

Die französischen Truppen konnten schnell vorweisbare Erfolge für sich verbuchen und die großen Städte innerhalb weniger Wochen von den Rebellen zurückerobern. Auch wenn der Konflikt in den Medien nur noch selten auftaucht, ist er noch lange nicht ausgestanden, sondern wandelt sich zu einem zähen Guerillakrieg. Dieser wird nun mehrheitlich von den Armeen afrikanischer Nachbarstaaten ausgefochten. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich wird sich bewusst frühzeitig aus dem Konflikt zurückgezogen haben, zum einen um den Verdacht neokolonialer Machtspiele zu entkräften, zum anderen um die Verluste an eigenen Truppen so gering wie möglich zu halten.

Erste Anschläge im militärisch in Mali engagierten Niger könnten nun als Vorboten einer Ausbreitung der Kampfhandlungen in weitere Staaten aufgefasst werden.

Ein sinnvolles und nachhaltiges Konzept für die Post-Gaddafi-Ära sowie eine Integration der Tuareg - die Problematik ist ja seit langem bekannt - in den von ihnen bewohnten Ländern hätte den Konflikt vielleicht nicht verhindern, aber zumindest deutlich abschwächen können. Insgesamt lässt sich hier ein warnendes Beispiel für die Auswirkungen auf ganze Regionen durch einen unüberlegten Sturz eines westlichen Interessen durchaus dienlichen Diktatoren und einer auf einer rein westlichen Sichtweisen fußenden Hoffnung auf eine Demokratisierung ableiten.

Quellen:

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare