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Pulverfass Irak

04. August 2013 - Internationales

Auch gut zehn Jahre nach Beendigung des letzten USA-geführten Irakkrieges (20.03.2003 - ca. Anfang Mai 2003) und drei Jahre nach Abzug der letzten amerikanischen Kampftruppen, findet der Irak nicht zur Ruhe. Im Gegenteil, die Gewalt scheint immer mehr zuzunehmen.

Allein 2013 wurden über 4000 Zivilisten getötet und knapp 10.000 verletzt. Der überwiegende Teil  der Verbrechen kann interkonfessionell begründeten oder politisch motivierten Terrorakten zugeschrieben werden. Die christliche Minderheit - die unter der tendenziell säkular ausgerichteten Diktatur Saddam Husseins vergleichsweise große Freiheiten genossen hat - ist durch massive Vertreibungen marginalisiert. Der Hauptkonflikt findet zwischen der unter dem alten Regime herrschenden sunnitischen Bevölkerungsminderheit und der bisher benachteiligten schiitischen Bevölkerungsmehrheit statt. Die überwiegend sunnitischen Kurden arbeiten dagegen an  einer möglichst hohen Autonomie und träumen vielleicht sogar schon von einem eigenen Kurdenstaat.

Ob der Irak unter diesen Voraussetzungen als Staat überhaupt überlebensfähig sein wird, ist fraglich. So oder so destabilisiert die Lage im Irak bereits jetzt die Region, was sich am deutlichsten im syrischen Bürgerkrieg zeigt, in dem der Irak als Transitland für die Lieferung von Waffen dient und radikale Kräfte bereits für einen islamischem Staat Irak und Levante kämpfen.

Sollte der Irak auseinanderbrechen, würde die Einflusssphären der sich alles andere als  wohlgesonnen gegenüberstehenden Staaten Iran und Saudi-Arabien bedenklich nahe kommen. Bei einer denkbaren Angliederung schiitischer Gebiete des Iraks an den Iran könnte es sogar eine  gemeinsame Grenze geben, was in erster Linie Saudi-Arabien als deutliche Bedrohung sehen könnte.

Die Entstehung eines unabhängigen Kurdenstaates auf ehemaligem irakischem Gebiet könnte in allen Nachbarländern mit kurdischen Minderheiten (Türkei, Syrien, Iran) Sezessionsbestrebungen aufflammen lassen.

Auch Israel wird die Entwicklung mit Argusaugen beobachten, da es sowohl ein Übergreifen irakischer Zustände auf Syrien als auch eine Vergrößerung des iranischen Machtbereiches als Gefahr einstufen wird. Die USA - als Verbündete Israels und Saudi-Arabiens - könnten sich sehr schnell in einen militärischen Konflikt gegen den Iran hineingezogen fühlen.

Bleibt noch anzumerken, dass deutlich über die Hälfte der weltweiten Ölreserven im nahen Osten zu finden sind und ein sich ausbreitender Konflikt in dieser Region - über steigende Ölpreise bei durch (Bürger-)Krieg verursachter Verknappung der Förderung - der zur Zeit sowieso schwächelnden Weltkonjunktur eine deutlichen Dämpfer verpassen könnte.

Quellen

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