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Weiterhin Blutvergießen am Nil

14. Oktober 2013 - Internationales

Auch gut dreieinhalb Monate nach der Absetzung der demokratisch gewählten Regierung der Muslimbrüder unter Mohammed Mursi durch das Militär, kommt Ägypten nicht zur Ruhe. Immer wieder kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den Anhängern der Muslimbrüder und Sicherheitskräften. Allein am Nationalfeiertag (07.10.) wurden mehr als 50 Menschen getötet.

Sowohl Militär als auch die von diesem eingesetzt Übergangsregierung setzen auf Eskalation und Einschränkung von Rechten, um der Lage Herr zu werden. Die Wirkung des am 23.09.2012 in Kraft getretenen Verbots der Muslimbrüder dürfte bestenfalls kurzfristiger Natur sein. Zwar sitzt die Führungsriege der Organisation hinter Gittern und Immobilien sowie Vermögen sind teilweise in staatliche Kontrolle übergegangen. Doch sollte nicht vergessen werden, dass die Muslimbrüder mehrere Jahrzehnte Verfolgung unter den vorherigen ägyptischen Machthabern nicht nur überstanden haben, sondern sogar die Kraft fanden, ihre Anhängerschaft so weit zu mobilisieren, dass Sie als stärkste Kraft aus der ersten Wahl nach Mubaraks Sturz hervorgingen.

Das Dilemma des Westens in diesem Konflikt hat sich in keiner Weise geändert. Einerseits behagt die Absetzung einer demokratisch gewählten Regierung sowie die Brutalität gegen Demonstranten nicht, auf der anderen Seite wurde eine aus westlicher Sicht unliebsame und wenig kooperative islamistisch geprägte Gruppierung aus der Macht gedrängt.

Medial fast unbemerkt finden vermehrt Gewaltakte gegen die Minderheit der koptischen Christen statt. Neben zahlreichen zerstörten Gebäuden (Kirchen, Schulen, Häuser oder Geschäfte) sind inzwischen auch zahlreiche Tote zu beklagen, was insgesamt durchaus irakische Zustände befürchten lässt. Wer für die Verbrechen verantwortlich ist, bleibt offen. Von Teilen der Muslimbrüder wird den Kopten eine Mitverantwortung am Sturz Mursis angelastet, gleichzeitig haben sich hochrangigen Personen aus deren Reihen gegen die Gewalt ausgesprochen. Den Sicherheitskräften wiederum wird vorgeworfen, nichts gegen - teilweise länger bekannte - Angriffe unternommen zu haben und allgemein wenig zum Schutz der Minderheiten zu tun.

Noch kann Ägypten trotz wachsender Unruhen und Unsicherheit als vergleichsweise stabil angesehen werden. Sollte die Lage jedoch weiter eskalieren, drohen sowohl Ägypten, als auch dessen Nachbarn dunkle Zeiten. Und eine denkbare Blockade des Suezkanals könnte sich sogar weltweit bemerkbar machen.

Quellen:

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