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Vom Krieg zum gescheiterten Staat

21. Oktober 2013 - Internationales

Das Schema wiederholt sich erschreckenderweise immer wieder. Nach dem Abflammen eines heißen Krieges findet ein Guerillakrieg gegen die vermeintlichen Besatzer statt, welcher nach einiger Zeit mehr und mehr Zivilisten in den Tod reist und nach Abzug der fremden Truppen in bürgerkriegsähnliche Zustände mündet.

Beides lässt ich aktuell sowohl in Afghanistan als auch im Irak verfolgen, wobei der Irak im oben genannten Ablauf am weitesten fortgeschritten ist - sowohl was den Abzug der US-amerikanischen Verbände, als auch das hinein driften in einen blutigen Bürgerkrieg betrifft. Allein im Monat September wurden nach Zahlen der UNAMI (UN Mission im Irak) bei Anschlägen und Terrorakten fast 1000 Iraker  getötet und 2000 verletzt. Und diese Zahlen sind leider keine Ausnahme. Die dadurch entstandene Unsicherheit lähmt die wirtschaftliche Entwicklung und setzt die tiefe Spaltung der heterogenen irakischen Bevölkerung weiter fort.

Der Krieg in Afghanistan wurde von Beginn an asymmetrisch zwischen einer US-geführten Militärkoalition und Talibankämpfern geführt. Dennoch ist auch hier eine vergleichbare Bewegung hin zu einer noch gleichgültigeren Inkaufnahme ziviler Verluste durch Aufständische zu erkennen. Während zu Beginn der Kämpfe hauptsächlich ausländische Truppen Ziel von Anschlägen und Überfällen waren, sind inzwischen deren einheimische Verbündete - Politiker, Polizeieinheiten, etc. - zum Primärziel geworden. Der Tod unbeteiligter Zivilisten wird hierbei wie selbstverständlich in Kauf genommen. Um den Gouverneur der Provinz Logar zu töten, schreckten die Attentäter z.B. nicht einmal davor zurück, eine Bombe in einer besuchten Moschee zu zünden. Wie sich die Sicherheitslage nach Abzug der ISAF- und PRT-Einheiten entwickeln wird, bleibt abzuwarten, allzu viel Grund für Optimismus gibt es allerdings nicht.

Der syrischen Konflikt hat einige Unterschiede vorzuweisen (z.B. keine ausländische Truppenpräsenz), zeigt aber dennoch eine vergleichbare Entwicklung. So sind ein Großteil der getöteten Menschen Opfer von militärischen Angriffen auf Zivilisten sowie Akten des Terrors, wie religiös-ethnische Vertreibungen und Massaker, geworden, wobei vor allem zweitere zunehmen.

Lehren aus diesen Fällen zu ziehen ist nicht einfach. Insgesamt darf sich nicht der Illusion hingegeben werden, dass es einfache Lösungen für die geschilderten Zustände geben wird. Eine nicht mit der rein westlich geprägten Betrachtungsweise durchgeführte Analyse der kulturellen, ethnischen, religiösen Hintergründe und geschichtlichen Hintergründe, könnte jedoch dazu beitragen zumindest grobe Fehleinschätzungen zu vermeiden.

Quellen:

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