Diese Webseite verwendet Cookies. Diese werden z.B. für statistische Zwecke verwendet. mehr Informationenschließen
Aufklappen
Zuklappen

Archiv

2014 (65)
2013 (151)

Ost gegen West in der Ukraine

22. Januar 2014 - Internationales

In den letzten Tagen eskalierte der seit Jahren schwelende und bisher weitestgehend politisch ausgetragene Konflikt um die globale Orientierung der Ukraine. Mehr und mehr Verletzte sind zu beklagen, heute auch die ersten Toten. Schon seit ihrer Unabhängigkeit 1991 stehen sich pro-westliche und pro-russische Bewegungen gegenüber und versuchen das Land in die jeweils präferierte Richtung zu bewegen.

Die Präsidentschaftswahlen 2004 konnte der dem Westen gewogene Wiktor Juschtschenko gewinnen, wurde aber 2010 vom dem Russland zugeneigten Wiktor Janukowytsch vernichtend geschlagen. Die bis heute nicht geklärte Vergiftung Juschtschenkos im Jahr 2004 sowie die Verurteilung der unter ihm mehrere Jahre lang Ministerpräsidentin gewesenen Julija Tymoschenko wegen Amtsmissbrauchs nach dem Machtwechsel, mögen als Beispiele gewertet werden, mit welchen harten Bandagen in der Ukraine gerungen wird.

Die noch andauernden Proteste pro-westlicher Kräfte wurden durch die Ende November 2013 von der Regierung Janukowytsch verkündete Nichtunterzeichnung des schon weit gediehenen Assoziierungsabkommens mit der EU ausgelöst. Diese auch von EU Politikern überrascht aufgenommene Entscheidung, kann auch als klares Zeichen für eine verstärkte Hinwendung zum russischen Nachbaren verstanden werden.

Dass es in den letzten Wochen nicht zu mehr Gewalt gegen die Opposition gekommen ist, ist zu einem Teil auf im Westen bekannte Vertreter - Ex-Boxer Vitali Klitscho oder die oben genannte Julija Tymoschenko - zurückzuführen, auf der anderen Seite auf die Präsenz der Proteste in den westlichen Medien.

Von welcher Seite die Eskalation verursacht wurde und wie es zu den Toten kam, ist nicht geklärt. Regierung und Opposition werfen sich gegenseitig vor die Verantwortung zu dafür zu tragen. Westliche Medien berichten vor allem aus der Hauptstadt Kiew und - wenn auch unter dem Mantel der Neutralität - tendenziell auf Oppositionslinie. Über die Stimmung in anderen Landesteilen ist nur wenig  erfahren. Es ist davor auszugehen, dass russische Medien eine ziemlich konträre Sicht auf die Lage in der Ukraine haben werden.

Generell scheinen westliche Regionen der Ukraine eher dem Westen, östliche Regionen eher Russland zugeneigt zu sein, was auch auf die vor allem im Osten lebenden ethnischen Russen sowie schlicht und einfach auf die geographische Lage zurückzuführen ist.

Wie die Geschichte weiter geht, ist kaum vorherzusagen und wird auch davon abhängen, inwiefern sich der Westen sowie Russland politisch und monetär in die Auseinandersetzung einmischen werden. Ob die Ukraine als zusammenhängender Flächenstaat erhalten bleibt, wird sich noch zeigen.

Europa würde in jedem Fall gut daran tun, mit Russland bei der Lösung der Konflikts zusammenzuarbeiten, statt sich einseitig auf den nicht unzweifelhaften Verbündeten USA und dessen geostrategischen Überlegungen zu verlassen.

Quellen:

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare