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Sport und Menschenrechte

27. Januar 2014 - Gesellschaft, Internationales

In elf Tagen werden im russischen Sotchi die 22. olympischen Winterspiele eröffnet. Nicht nur die regionale Nähe zu den äußerst unruhigen Südprovinzen Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien könnte das Bild von weltoffenen, freien und fairen Spielen trüben. Nicht sonderlich überraschend fehlt es natürlich nicht an Drohungen fanatischer Kämpfer. Doch mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit werden die nicht als zimperlich bekannten russischen Sicherheitsbehörden zumindest die im Zentrum medialer Aufmerksamkeit stehenden Orte effektiv vor möglichen Anschlägen schützen können.

Abseits der auf Hochglanz gebrachten Sportstätten zeigt sich ein anderes, weniger schönes Bild. Es existieren stichhaltige Hinweise auf ausgebeutete Arbeiter, zwangsumgesiedelte und schlecht bzw. gar nicht entschädigte Einwohner, auf Bauprojekte die ohne Rücksicht auf Umweltfragen realisiert werden, Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie Behinderung der Pressearbeit.

Auch bei der in diesem Jahr in Brasilien stattfindenden Fußballweltmeisterschaft scheinen Menschenrechte im Zweifelsfall den sportlichen und wirtschaftlichen Interessen weichen zu müssen, im konkreten Fall ganze Favelas mit unzähligen Einwohnern. Noch schlimmer sieht es auf den Baustellen von Katar aus, dem Austragungsland der Fußball-WM 2022. Allein die jetzt schon begonnene Bauphase zeigt, welche unvorstellbaren Mittel für wenige Tage oder Wochen bereitgestellt werden müssen. In Katar wird diese Last vor allem auf den Schultern weitestgehend rechtloser Arbeitsmigranten verteilt. Doch selbst bekannt gewordene Todesfälle unter den Arbeitern, konnten die Organisatoren zu nicht mehr als mahnenden Worten veranlassen.

Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass Sportgroßereignisse im Zweifelsfall ohne Rücksicht auf regionale wirtschaftliche Aspekte, Menschenrechte, dem Umweltschutz oder gar lokaler Interessen geplant sowie durchgesetzt werden und letztendlich nur ein schönes Bild auf die Fernseher der mehrheitlich in den Erste-Welt-Staaten lebenden Zuschauer gezaubert wird. Die Möglichkeit, die Vergabe solcher Veranstaltungen wenigstens an Mindeststandards zu knüpfen und vor allem bei deren Verletzung auch Konsequenzen folgen zu lassen, wird liegen gelassen. Vielmehr dominieren lediglich kommerzielle Interessen, welche den durchaus löblichen sportlichen Gedanken für sich vereinnahmen.

Quellen:

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