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Es brennt weiter in der arabischen Welt

16. April 2014 - Internationales

Der arabische Frühling und dessen Folgeerscheinungen sind durch die weiter eskalierende Krise in der Ukraine weitestgehend aus dem öffentlichen Interesse verschwunden. Wohl auch aus der Erkenntnis heraus, dass die euphorisch hoch gesteckten Erwartungen zu Beginn der Volksaufstände so gut wie gar nicht erfüllt worden sind oder sich gar ins Schlimmere verkehrt haben.

Der immer noch mit hoher Intensität geführte syrische Bürgerkrieg fordert weiter einen hohen Blutzoll, ohne dass wirkliche Perspektiven für eine für alle Seiten vertretbare Lösung in Sicht sind. Vielmehr könnte das umkämpfte Land zu einem Stellvertreterkriegsschauplatz zwischen Russland als Unterstützer Assads und den USA als Unterstützer der - auch islamistischen - Opposition werden. Israel wandte sich in der Ukrainefrage sogar vom sonst unumstößlichen Verbündeten USA ab - wohl auch aus Sorge indirekt über Syrien oder den Iran den russischen Einfluss zu spüren zu bekommen.

Die Türkei hat in dem Konflikt offensichtlich sehr eigene Interessen, sogar
Gerüchte über eine geplante False-Flag-Operation, mit dem Ziel in den Bürgerkrieg eingreifen zu können, machen die Runde. Die Regierung Erdogan wäre nicht die erste, die innenpolitische Querelen mit außenpolitischen bzw. militärischen Abenteuern unter den Tisch kehren wollte.

Weiter westlich scheinen sich die staatlichen Strukturen Libyens immer mehr aufzulösen. Eine schwache Zentralregierung kann das Land kaum zusammenhalten, Warlords und Stammesfürsten versuchen ihre Macht zu konsolidieren, selbst Ölförderanlagen gelangen immer wieder in die Hände nicht staatlicher Gruppierungen. Einzig der Menschenhandel boomt in einem erschreckenden Ausmaß, was sowohl italienische bzw. europäische Grenzschützer vor kaum lösbare Aufgaben stellt, als auch zur einer wachsende Zahl humanitärer Katastrophen führt.

In Ägypten geht das Militär weiter mit aller Härte gegen die Muslimbrüder vor und versucht das neue Regime zu stabilisieren. Zu den über 500 Todesurteilen gegen Anhänger der Muslimbrüder, die auf Grund von Beteiligung an gewalttätigen Demonstrationen in rechtsstaatlich mehr als zweifelhaften Prozessen verhängt worden sind, ist vom Westen wenig zu hören.

Einzig Tunesien scheint bisher trotz Unruhen und Anschlägen einen realtiv stabilen Weg zu einer neuen Staatlichkeit zu gehen, dessen Ende allerdings noch lange nicht erreicht ist.

Bei dieser Lage ist es wenige verwunderlich, wenn sich der Westen lieber in den nächsten Konflikt stürzt, als sich mit dem völligen Scheitern der teilweise - auch militärisch - mit befeuerten Brennpunkte zu befassen. Bleibt zu hoffen, dass für die Ukraine bessere Konzepte für eine dauerhafte Befriedung vorhanden sind.

Quellen:

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