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Bootsflüchtlinge in Südostasien - Hintergrund

25. Mai 2015 - Internationales

Mehrere tausend Menschen sollen sich auf den Meeren Südostasiens auf der Suche nach einer neuen Heimat befinden. Zielländer der Flüchtlinge sind vor allem Malaysia und Indonesien. Beide Länder wollen zwar Hilfe leisten, gleichzeitig aber eine dauerhafte Aufnahme verhindern.

Ein Großteil der Flüchtlinge stammt aus dem überwiegend buddhistischen Myanmar (Burma) und gehören der dort lebenden muslimischen Minderheit der Rohingyas an. Diesen wird der Status als Staatsbürger seit 1982 durch ein geändertes Staatsangehörigkeitsrecht strikt verweigert und werden von der Regierung als Bengalis betrachtet.

Die Herkunft die Rohingyas im geschichtlichen Kontext ist nicht 100%tig geklärt. Während einige Historiker von einer seit Jahrhunderten ansässigen und später zum Islam konvertierten Bevölkerungsgruppe ausgehen, sprechen andere Wissenschaftler von einer Einwanderung aus Bangladesch zu Zeiten der britischen Kolonialherrschaft (bis 1948) bzw. in geringerem Umfang während des bengalischen Unabhängigkeitskrieges 1971. Der offizielle Standpunkt Myanmars lautet illegale Immigration.

Die damit faktisch staatenlosen Menschen sind massiven Diskriminierungen ausgesetzt. Daneben kommt es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gegenüber den um die 735.000 - 800.000 in Myanmar lebenden Rohingyas.

Während mit anderen Minderheiten in dem Vielvölkerstaat zumindest Gespräche geführt und Wege für ein funktionsfähiges Zusammenleben gesucht werden, bemühen sich im Falle der Rohingyas weder Regierung noch Opposition Myanmars um eine tragfähige Lösung. Die 2015 stattfinden Wahlen mögen zum aktuellen Zeitpunkt ein Erklärungsansatz sein, jedoch werden religiöse wie ethnische Spaltungen eine deutlich größere Rolle spielen. Auch geschichtliche Gegebenheiten sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Myanmar wird der Versuch der Rohingyas sich gewaltsam dem 1947 unabhängig gewordenen Pakistan - konkret Ostpakistan (dem späteren Bangladesch) - territorial anzuschließen, was jedoch von Staatsgründer Pakistans Muhammad Ali Jinnah mit dem Verweis sich aus inneren Angelegenheiten Myanmar heraushalten zu wollen angelehnt wurde, im nationalen Gedächtnis geblieben sein. Auch danach kämpften militante Rohingyas weiter für eine Unabhängigkeit. Diese verloren jedoch bis 1962 militärisch weitestgehend an Bedeutung und lösten sich in den kommenden Jahren vollständig auf. Ab 1971 entstand eine radikal-islamische Bewegung, die bis heute aktiv ist und der Verbindungen zu Taliban und Al-Quaida nachgesagt wird.

Während ein Hauptaugenmerk der Berichterstattung auf den Aktionen Malaysias und Indonesiens liegt, wäre eine kritischere Auseinandersetzung mit den Zuständen in Myanmar wünschenswert. Eine reine Fokussierung auf die schlimmen Schicksale der Bootsflüchtlinge und dem Umgang in den potenziellen Zielländern, könnte Myanmar auf die Idee bringen, mit seiner Diskriminierungs- und Vertreibungspolitik Erfolg haben zu können.

Quellen:

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