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Die Türkei, Russland und der IS

29. November 2015 - Internationales

Das türkische Militär hat letzte Woche ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Wie nicht anders zu erwarten, gehen die Darstellungen der Kontrahenten weit auseinander. Während die türkische Seite von einer Verletzung des Luftraumes sowie mehrfachen Warnungen spricht, bedeutet die russische Seite das genaue Gegenteil. In Anbetracht dessen, dass die Türkei ein NATO-Mitglied ist und das Verhältnis zwischen Russland und der NATO bzw. dem Westen seit Beginn der Ukraine-Krise deutlich angespannt ist, sollte der Vorfall nicht als unbedeutend abgetan werden.

Das aktive Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg auf Seiten Assads wird von westlicher Seite sowieso mit wenig Begeisterung aufgenommen, was zum einem daran liegt, dass Russland jegliche Opposition zum Ziel von Luftangriffen erklärt hat, zum anderen aber auch, da sich die USA geführte Allianz dem implizierten Vorwurf ausgesetzt sieht, mit seiner bisherigen Syrienpolitik vollends gescheitert zu sein. Speziell die Türkei mag auch noch die ganz eigenen Interessen in Syrien gefährdet sehen, u.a. da von ihr aktiv unterstützte Gruppierungen - in dem Fall turkmenische Kräfte im (Nord)-Westen Syriens - von russischen Kampfjets angegriffen wurden.

Historisch-ethnischer Hintergrund

Daneben könnten auch historisch-ethnische Faktoren eine Rolle spielen. Die Türkei sieht sich als Schutzmacht der Turkvölker, deren Siedlungsgebiete zu sich zu erheblichen Teilen in russischen Kerngebieten oder Einflusssphären befinden. Russland dagegen betrachtet die sich in vielen Fällen einer islamischen Renaissance hinwendenden Bevölkerungsgruppen mit Argwohn, da es befürchtet, dass inter-religiöse Konflikte und Unabhängigkeitsbestrebungen (vgl. u.a. Kriege im Kaukasus) in größerem Umfang an seiner Südflanke aufbrechen.

Die Türkei erhofft sich wiederum wachsenden geopolitischen Einfluss durch die Rückbesinnung gemeinsamer kultureller Wurzeln mit den Turkvölkern.

Die Türkei im syrischen Bürgerkrieg

Die Rolle der Türkei im syrischen Bürgerkrieg kann als Zweifelshaft bezeichnet werden. Zwar ist sie auf Seiten der westlichen Allianz an Luftschlägen gegen den IS beteiligt, scheint aber deutlich mehr Interesse daran zu haben, die Dauerkonflikt mit den Kurden (PKK) nach längerer Einstellung der Kampfhandlungen militärisch zu lösen. Vielmehr werden immer wieder Vorwürfe laut, die Türkei unterstütze den IS aktiv durch Waffenlieferungen und die Abnahme von Öl. In das Bild passt auch die Verhaftung zweier Journalisten in der Türkei, die sich genau mit dieser Thematik beschäftigt haben.

Dass der Abschuss des russischen Kampfflugzeuges wenige Tage nach den verheerenden Anschlägen islamistischer Fanatiker in Paris (13.11.2015, mit über 130 Toten) mag Zufall sein. Die Befürworter einer Zusammenarbeit mit Russland zur Lösung des syrischen Bürgerkrieges werden sich auf Grund dessen dennoch wieder Gegenwind ausgesetzt sehen. Nachdem Assad bisher als Verhandlungspartner ausgeschlossen war, mehren sich auch unter Politikern im Westen die Stimmen, doch eine zumindest übergangsweise Lösung mit ihm zu finden oder sogar Assads Militär für den Kampf gegen den IS aufzurüsten. Wie das dann mit den anderen Oppositionsgruppen einher gehen sollte, bleibt offen.

Ölquellen des IS verstärkt im Visier

Wenn über ein Jahr nach Formung der Anti-IS-Koalition und mehreren Monaten mit Luftschlägen und Bombardements in den Medien zu lesen ist (vgl. Quellen), dass die Koalition verstärkt Ölfelder des IS bombardieren will, stellt sich die Frage, was den bisher überhaupt militärisch geschehen ist, wäre doch nichts naheliegender als diese vorhanden und für den IS wichtigen Geldquellen zu zerstören, die dazu noch geografisch bekannt und für den IS gegen Luftangriffe nicht effektiv zu verteidigen sind.

Quellen:

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