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Philippinen wechseln die Seiten

23. Oktober 2016 - Internationales

Seit dem Amtsantritt des philippinischen Präsidenten Duterte am 30. Juni 2016 hat sich das Verhältnis zu den USA deutlich verschlechtert. Während einer Reise nach Peking verkündete Duterte vor drei Tagen, er wolle sich von der USA "trennen", stellte aber später klar, dass damit zwar kein völliger Bruch gemeint sei, jedoch eine Neuorientierung der Außenpolitik hin zu China und Russland.

Duterte ist schon seit Beginn seiner Politikerkarriere für eine für hiesige Verhältnisse sehr direkte Sprache berüchtigt, weder US-Präsident Obama, noch die EU oder der Papst sind vor seinen verbalen Entgleisungen sicher.

Seine Antidrogenpolitik steht auf Grund des harten Vorgehens - so wird Duterte auch der Ersatz von Todesschwadronen vorgeworfen - im Westen in der Kritik. Ähnliche Vorwürfe waren schon während seiner Zeit als Bürgermeister von Davao City zu hören.

Bedeutung für die USA

Die Philippinen galten bisher als sicherer Verbündeter der USA in Südostasien, was auch auf die Zeit als amerikanische Kolonie zurückzuführen ist. Erst 2014 wurde zwischen den USA und den Philippinen ein Verteidigungsabkommen geschlossen, welches den USA Zugang zu Militärstützpunkten auf den Philippinen erlaubt. Im Hinblick auf die Eindämmungspolitik gegenüber China und der geografischen Lage, wäre ein Bruch dieses Abkommens ein schwerer Rückschlag für die USA.

Dass China den US-Bestrebungen nicht tatenlos zusieht, verwundert wenig. Durch den steten Zuwachs an militärischer Schlagkraft Chinas sind die USA nicht mehr der einzige bedeutende Machtfaktor in dieser von bisher noch unterschwelligen Konflikten durchzogenen Region. Bei einem entsprechenden chinesischen Angebot zur Klärung der zwischen China und den Philippinen umstrittenen Gebieten im südchinesischen Meer, kann der Seitenwechsel aus Sicht der Philippinen in jeden Fall Sinn machen. Denn die Alternative, d.h. ein wirtschaftlich oder militärisch ausgetragener Konflikt mit China auf der einen und den USA samt verbündeten Anrainern auf der anderen Seite, mag für Duterte eine wenig erfreuliche Aussicht gewesen sein.

Konsequenzen für Südostasien

Die Konsequenzen lassen sich nur schwer vorhersagen. Sollte sich die Annäherung der Philippinen an China für den Inselstaat bewähren, könnten sich weitere Länder zu ähnlichen Kurswechseln bewogen sehen und ein - in Analogie zur Kalten Krieg - auftretender Dominoeffekt wäre denkbar. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass China mit einigen Staaten historisch ganz andere Altlasten zu bewältigen hat, als mit den Philippinen. Hierbei sind vor allem Japan und Vietnam zu nennen.

Aktuell wirkt die Reaktion der USA überrascht, was jedoch auf Grunde der geheimdienstlichen Möglichkeiten eher verwundert. Von daher kann davon ausgegangen werden, dass bereits Pläne in der Schublade bereitliegen. Wie offensiv diese ausfallen, wird in erster Linie von der Einschätzung abhängen, für wen die Zeit spielt: für die USA oder für China.

Auf den ersten Blick mag China langfristig die besseren Karten haben als die USA. Eine Hochrechnung von Wirtschaftswachstum sowie der Zunahme militärischer Fähigkeiten sind starke Indizien dafür. Dagegen kann angebracht werden, dass auf China in den nächsten Jahren und Jahrzehnten massive Herausforderung bedingt durch die grassierende Umweltverschmutzung sowie den Klimawandel zukommen werden.

Auf Grund der starken wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtungen zwischen China und den USA sowie dem Umstand, dass beide Staaten über Atomwaffen verfügen, scheint ein heißer Krieg zwischen den beiden Konkurrenten selbstmörderisch zu sein. Desto mehr gewinnen jedoch die Anrainerstaaten an Bedeutung, da hierüber im Kleinen Kämpfe (wirtschaftlich, diplomatisch, aber auch militärisch) ausgetragen werden könnten und so jede Seite versucht ist, ihre Position zu verbessern. Unüberlegte Aktionen sowie übertriebene Reaktionen darauf könnten diese Pulverfass dennoch jederzeit in eine Kriegszone verwandeln.

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