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Nordkorea - gefährliches Spiel oder Polittheater?

21. August 2017 - Internationales

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea schaukelte sich in den letzten Wochen vermehrt nach oben. Der US Präsident Trump drohte seinerseits mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat", während Nordkorea verlautbaren ließ, Angriffspläne für der Vernichtung der Insel Guam - einer der bedeutendsten Stützpunkte der US Luftwaffe und Marine im Südpazifikraum - vorliegen zu haben.

Inzwischen hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un verbal Abstand von den genannten Angriffsplänen genommen, dennoch bleibt die Lage angespannt. Bei Seiten haben sich in eine Lage manövriert, die es schwer macht, der anderen Seite Zugeständnisse zu machen.

Kim bleibt gar nichts anderes übrig, als auf die atomare Karte zu setzten, wird er doch das Schicksaal anderer lästig gewordener Machthaber - insb. Gaddafi und Saddam Hussein - im Kopf haben, die durch direkte oder massive indirekte Einwirkung der USA gestürzt wurden. Solange die Welt von einem nuklear bewaffneten und mit weitreichenden Raketen ausgestatteten Nordkorea ausgehen muss, sind direkte militärische Aktionen im Grunde keine Option, was dem im Vergleich zu den USA militärisch wie wirtschaftlich unbedeutenden Land eine relative Sicherheit gibt.

Dieses Ungleichgewicht macht es für Trump wiederum sehr schwierig Zugeständnisse zu machen. Ein Kleinbeigeben gegenüber Nordkorea könnte zu einem Gesichtsverlust der USA führen und würde Kim im Zweifelsfall zu weiteren Erpressungsversuchen verleiten.

Situation der Anrainerstaaten

Die wichtigsten Akteure in geografischer Nähe sind sicherlich die Volksrepublik China, Japan und Südkorea.

VR China: Bisher stand China immer auf der Seite Nordkoreas und ist einer der letzten verbliebenen größeren Handelspartner. Auch wenn China mehr und mehr genervt zu sein scheint und sich an UN-Sanktionen beteiligt, erfolgt bisher noch kein endgültiger Bruch mit Pjöngjang. Zu groß sind die Bedenken, was nach einem Kollaps des Regimes passieren könnte. Eine Destabilisierung der koreanischen Halbinsel, Flüchtlingsströme in Richtung China oder gar US-Truppen direkt an der koreanisch-chinesischen Grenze. Alles Szenarien die Chinas Regierung wenig behagen werden.

Japan: Japan steht historisch bedingt in einem wenig guten Verhältnis zu Korea. Zu tief sitzen auf koreanischer Seite die Wunden nicht aufgearbeiteter Gräuel des 2. Weltkrieges sowie das kritische Beäugen zunehmender Remilitarisierung Japans. Dazu sei noch die Konkurrenz japanischer und südkoreanischer Konzerne erwähnt. Im Falle eines Krieges wäre Japan als Verbündeter der USA auch Ziel nordkoreanischer Angriffe, vor allem da Raketentests Nordkoreas die Erreichbarkeit Japans sehr wahrscheinlich machen.

Südkorea: Südkorea hat in dem Konflikt am meisten zu verlieren. Selbst die konventionelle Artillerie Nordkoreas könnte Seoul problemlos treffen und selbst bei einem kurzem Krieg erhebliche Verluste in der südkoreanischen Hauptstadt verursachen. Es sei auch auf die 21 Atomkraftwerke in Südkorea verwiesen, die im Kriegsfall Ziele mit verheerender Schadenswirkung wären.

Was würde im Kriegsfall passieren?

Über die Stärke und Einsatzbereitschaft der nordkoreanischen Streitkräfte kann nur spekuliert werden. Der Staat wirkt durch und durch militarisiert, jedoch wird vor allem im Vergleich zu den USA vergleichsweise veraltetes Kriegsgerät vorliegen. Auch Vorhersagen über die Truppenmoral sind schwer zu treffen. Von fanatisierter Kadern bis hin zu nach dem ersten Schuss desertierenden und desillusionierten Soldaten ist alles denkbar. Wie oben ausgeführt, würde aber bereits ein sehr kurzer Konflikt über ein erhebliches Schadenspotenzial verfügen.

Sofern Nordkorea tatsächlich über Atomwaffen verfügt, wären noch ganz andere Schreckensszenarien denkbar. Vom Beschuss nuklear bestückter Raketen, bis hin zu via Schiff in die USA oder einen verbündeten Staat eingeschmuggelter Atombomben. So und so könnten die Auswirkungen fatal sein.

Ob China einen Alleingang der USA in direkter Nachbarschaft dulden würde, kann ebenfalls angezweifelt werden, was schnell zu einem Konflikt ganz anderer Dimension führen könnte.

Ausblick

Sofern sich alle Beteiligen darüber im Klaren sind, dass ein Krieg keiner Seite von Nutzen ist, kann das Spiel gegenseitiger Drohungen noch lange und ohne nennenswerte Folgen weitergehen. Gefährlich würde es werden, wenn auf einer der Seiten unüberlegtes und impulsives Handeln die Oberhand gewinnt, sei es von den jeweiligen Staatsführern oder von den reichlich vorhandenen Militärs in der Region.

Mit Sanktionen gegen mit Nordkorea handelnden Unternehmen aus China und Russland sowie Manöver mit Südkorea tragen die USA in jedem Fall nicht zu einer Deeskalation bei. Insgesamt - wie oben erwähnt - haben sich beide Seiten in eine schwer auflösbare Situation begeben.

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