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Bayer, Monsanto und das Glyphosat

14. August 2018 - Umwelt, Wirtschaft

Am 7. Juni 2018 schloss Bayer einen seit langer Zeit geplanten Unternehmenskauf ab und wurde zum alleinigen Eigentümer des nicht unumstrittenen US-Konzerns Monsanto. Die Übernahme - bisher die größte eines deutschen Unternehmens im Ausland - kostet Bayer gut 63 Milliarden Dollar.

Der Ruf Monsantos gilt allgemein als schlecht und zeichnet sich durch vielfältige Vorwürfe - begonnen von Einflussnahmen auf die Politik, über die Schaffung von Abhängigkeiten von Kunden von Produkten Montantos (keine Saatfestigkeit oder gegen eigene Pflanzenschutzmittel resistentes Saatgut), bis zu einem allgemein als aggressiv wahrgenommenen Geschäftsgebaren -, was wohl auch ein Grund sein wird, warum Bayer den Namen Monsanto nicht weiter fortführen will.

Riskanter Deal

Die Übernahme stellt für Bayer ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Der kurz skizzierte Ruf Monsantos könnte auf den Leverkusener Chemiegiganten abfärben. Daneben stehen aber auch handfeste monetäre Unwägbarkeiten im Raum, angefangen von der für die Übernahme notwendig gewordene Schuldenaufnahme, bis hin zu laufenden juristischen Auseinandersetzungen die mit "eingekauft" wurden.

Gestern bekam beispielsweise ein Hausmeister aus den USA Schmerzensgeld von 290 Millionen Dollar zugesprochen. Das Gericht kam zur Überzeugung, dass Monsanto nicht ausreichend über die Krebsrisiken bei der Nutzung glyphosathaltiger Unkraufvernichtungsmittel hingewiesen hat und die Krebserkrankung des Klägers auf den Einsatz entsprechender Substanzen zurückgeht. Der Prozess wird aller Voraussicht durch weitere Instanzen gehen und ist dadurch faktisch noch nicht final entschieden, dennoch brach der Aktienkurs von Bayer spürbar sein. Und über 5000 weitere vergleichbare Klagen stehen noch aus.

Europa und Glyphosat

In Europa wird schon länger über ein Verbot glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel - Monsanto ist beileibe nicht der einzige Hersteller - diskutiert. Dabei wird heftigst darum gestritten, ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht. Ein eindeutige Studienlage liegt bisher nicht vor (vgl. u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat), die WHO stuft das Mittel jedoch als "wahrscheinlich Krebserregend" ein, während der Hersteller sich auf den nicht final geklärten Zusammenhang beruft und sich überzeugt gibt, dass es nicht krebserregend sei.

Im Raum steht die ebenfalls bedeutende Frage, ob Glyphosat bei einer angenommenen karzinogenen Wirkung lediglich in der Anwendung (wie beim oben genannten Fall des Hausmeisters) gefährlich ist oder auch für den Endverbraucher in Form von Rückständen in Lebensmitteln*. Gegen erstere Gefahr ließen sich vergleichsweise einfach Vorkehrungen treffen, beispielsweise durch das Tragen entsprechender Schutzkleidung, im zweiteren Fall wären Verbrauchen – abgesehen von Biolebensmittel – dem Wirkstoff im Grunde schutzlos ausgeliefert.

Erst Ende 2017 wurde die Zulassung von Glyphosat EU-weit um weitere fünf Jahre beschlossen. Die Politik wälzt damit das möglicherweise vorhandene Gesundheitsrisiko komplett auf den Verbraucher ab, was für Bayer zumindest für den europäischen Markt weiterhin solide Umsätze mit glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel verspricht.

Dass das oben genannte Urteil ausgerechnet kurze Zeit nach der Übernahme verkündigt wurde, wird Zufall sein. Dennoch kommen auf Bayer unsichere Zeiten zu, mit im für den Konzern unglücklichsten Fall weiteren horrenden Schadenersatzzahlungen. Aktionäre müssen darauf vertrauen, dass Bayer das Risiko richtig eingeschätzt und entsprechend vorgesorgt hat.

* Update 17.08.2018: eine Studie aus den USA wies Rückstande von Glyphosat in Frühstücksnahrung nach, die aus mit den Unkrautvernichtungsmittel behandelten Hafer herstellt wurden.

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